
Offen fliegen
Was müsste es für ein Genuss sein, ohne Helm auf dem Motorrad, den Wind im Gesicht, in großer Schräglage durch die frische Luft zu brausen und dabei satt in den Sitz gepresst zu werden... Was auf der Straße verboten ist, macht der Cabrio-Bergfalke möglich. Lediglich zwei kleine Scheiben vor Pilot und Co-Pilot halten die ärgsten Witterungsbedingungen ab. Die Düfte beim Überfliegen von Wäldern, Wiesen und Feldern sind so natürlich besonders gut erlebbar.
Das Vergnügen verdanken die Flieger Egon Scheibe, einem Unternehmer und Flugzeugkonstrukteur, der 1951 die erfolgreiche Serie der "Bergfalken" auf den Markt brachte. Der Prototyp wurde wegen des damaligen in Deutschland nach dem Krieg noch gültigen Bauverbotes in Österreich fertiggestellt und zugelassen.
Der "Bergfalke" diente in erster Linie der Schulung, wurde aber auch z.T. für den Leistungsflug verwendet. Zu seinen Hauptvorzügen gehörten neben der einfachen Montage die gutmütigen Flugeigenschaften und die anerkannt guten Flugleistungen.
Er war ein beliebtes Schulsegelflugzeug, das von den 50er bis hin zu den 70er Jahren gebaut wurde.
Die Scheibe-Flugzeugbau GmbH, ansässig in Dachau, war Hersteller von Motorflugzeugen, Motorseglern, Segelflugzeugen und Ultraleichtflugzeugen. Vor dem Zweiten Weltkrieg leitete Dipl.-Ing. Egon Scheibe die Flugtechnische Fachgruppe an der Technischen Hochschule München. Am 30. Oktober 1951 gründete Scheibe das Unternehmen Scheibe-Flugzeugbau GmbH. Die Produktion begann am 15. November 1951 mit der "Mü 13 E". Dies war der Beginn der legendären "Bergfalken"-Serie, die auf dem Urmuster "Mü 13 Atalante" von 1936 basierte. Sie erhielt am 20. April 1952 die erste Musterzulassung in der Bundesrepublik Deutschland. Für die Zukunft des jungen Unternehmens sah Egon Scheibe bessere Entfaltungsmöglichkeiten an einem größeren Flugplatz. So konnten auf dem Flughafen München-Riem Räume angemietet und dort sogar eine eigene Holzhalle errichtet werden. Während fortan Flächen und Rümpfe in Dachau gebaut wurden, erfolgten Lackierung und Endmontage hauptsächlich in München-Riem. Sowohl aufgrund der sich hieraus ergebenden höheren Lohnkosten als auch aus anderen wirtschaftlichen Gründen war E. Scheibe mit dieser Lösung nicht ganz zufrieden. Deshalb wurde die Außenstelle München-Riem nach nur vier Jahren wieder aufgelöst. Anfang der 60er Jahre hatte Scheibe sich mit einigen hundert gelieferten Bergfalken, Spatzen und den leistungsfähigen Zugvögeln fest auf dem deutschen Markt etabliert.
Im Jahr 2006 wurde die Produktion in Dachau eingestellt und die Firma aufgelöst. Musterbetreuer der Scheibe-Segelflugzeuge und Motorsegler in Gemischtbauweise ist seitdem die Fa. SCHEIBE AIRCRAFT GmbH in Heubach, ein Unternehmen des Luftfahrtbetriebes Sammet. In Heubach ist inzwischen die Fertigung einer modifizierten Version der SF 25 C angelaufen, so dass der Falke für eingeschworene Liebhaber immer noch werksneu zu haben ist. Auch alle Ersatzteile sind lieferbar.
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